Paging Technik effizienter als Digitalfunk
Strukturen bei BOS behindern modernen Einsatz

Auf dem 3. Paging Kongress http://www.bos-alarmierung.de in Berlin waren sich heute, Montag 21. Februar, die rund 180 Teilnehmer und Referenten von Feuerwehren, Rettungsdiensten und Polizei sowie Anbieter für technische Lösungen zur Pagingalarmierung einig: Die 1956 erstmals am Londoner "St. Thomas's Hospital" eingesetzte Kommunikationstechnik Paging ist nach wie vor die schnellste und kostengünstigste Technik, wenn es im Falle einer Katastrophe um die sofortige und flächendeckende Alarmierung geht.

Die Vorteile der einseitigen Funkkommunikation sind schnelle Übertragungszeiten von weniger als 30 Sekunden und die sehr stabile und kaum zu zerstörende Netzwerkstruktur.
Im Gegensatz zu Handynetzen, die bei Überlastungen wie etwa an Sylvester regelmäßig zusammenbrechen, arbeiten Pagingnetze auch dann stabil, wenn, wie im Katastrophenfall wahrscheinlich, zu einem Zeitpunkt sehr viele Informationen versandt werden müssen.

Der Grund dafür ist zum einen der nur in eine Richtung verlaufende Informationsfluss, der sich nicht selbst blockieren kann und zum anderen die Struktur der Netze: Paging Netze sind so aufgebaut, dass sich die Senderbereiche überlappen, damit auch dann noch Informationen übertragen werden, wenn einer oder mehrere Sendemasten ausfallen. Unterstützt werden die Netze zusätzlich durch Satellitensender.

Ein Grund, warum in Deutschland heute die Pagingtechnik noch nicht flächendeckend von Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BOS) eingesetzt wird, sieht der Katastrophenforscher Dr. Wolf R. Dombrowsky von der Christian-Albrechts-Universität Kiel darin, dass "die viel leistungsstärkere Technik den vorhandenen Organisationsstrukturen innerhalb der BOS angepasst wird, statt ihre Möglichkeiten für eine übergreifende koordinierte Alarmierung zu nutzen." Das Ergebnis ist ein Flickenteppich von Zuständigkeiten statt eine flächendeckende überregional einheitliche Einsatzkoordination.

So sind zum Beispiel die einzelnen Landkreise für die Einsatzleitstellen und die Funknetzversorgung verantwortlich. Die Kommunen für die Meldeempfänger wie zum Beispiel die Mitglieder der freiwilligen Feuerwehr. Hinzu kommt, dass wiederum jedes Bundesland die Länderhoheit für seine BOS hat. Bundesweit existieren allein 16 verschiedene Katastrophenschutznormen.
Im Notfall bedeutet das, dass die Einsatzzentralen mit unterschiedlichen Techniken und Standards operieren. Ein einheitliches Krisenmanagement wird aufgrund der auf Bund, Länder und Gemeinden verteilten Zuständigkeiten zusätzlich erschwert.

Die seit langem geforderte Einführung eines digitalen Funknetzes scheitert bisher am Streit, ob der Bund oder die Länder bzw. wer wie viel der milliardenschweren Investitionen tragen soll. "Dabei könnte man, erklärt Dr. Wolf R. Dombrowsky, "bereits kurzfristig und viel kostengünstiger als beim Digitalfunk die veraltete Analogtechnik mit der flächendeckenden Pagingalarmierung kombinieren und so schon heute ein funktionierendes Katastrophenwarnsystem betreiben."

Carsten Hofmann vom Pagingnetzbetreiber emessage gibt mit Blick auf die angedachte Einrichtung eines Digitalfunknetzes zu bedenken, "dass für die Installation des digitalen Funknetzes mit der Alarmierungseffizienz eines Pagingnetzes, so dass es zum Beispiel auch in abgeschotteten Räumen wie in Krankenhäusern funktioniert, Investitionen nötig sind, die wahrscheinlich das 100fache von dem kosten, was für die Pagingtechnik notwendig ist."

Ein digitales Funknetz würde dann zwar mehr Funktionen bieten, seine Installation in der oben beschriebenen Variante können jedoch weder Bund noch Ländern finanzieren. Deshalb wird Deutschland aller Voraussicht nach selbst bis zur WM 2006 noch nicht über ein funktionierendes einheitliches und flächendeckendes Warnsystem verfügen.

(pte)